Jan 152013
 
Yavuz Kurtulmus

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Vor einiger Zeit wollte Yavuz Kurtulmus mit einigen serbischen Freunden ein Wiener Lokal betreten, doch sie wurden nicht hineingelassen. Der Türsteher wies sie mit der beleidigenden Begründung zurück: “Ihr dürft hier nicht rein. Ihr seht wie Sexarbeiter aus.” Es sind Geschehenisse wie diese, die zeigen, dass das Engagement des homosexuellen Türken notwendig ist. Der gelernte Bürokaufmann, der 12 Jahre lang seinen Beruf erfolgreich auslebte, gründete 2004 nach seinem Besuch des ersten Kongresses für türkischstämmige Homosexuelle in Berlin, den Verein LGBT. 2009 gründete er schließlich den Verein MiGaY. Einen Verein zur Integration und Förderung von homosexuellen MigrantInnen. Mehr als 20 Mitglieder beraten und helfen Lesben und Schwulen mit Migrationshintergrund in 63 verschieden Sprachen.

2012 hat MiGaY die ersten “queeren migrantischen Filmtage” gestartet – mit großem Erfolg. Bei freiem Eintritt war der Kinosaal täglich überfüllt. Ein wichtiges Signal für die Arbeit von Kurtulmus, der sich der Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung für diese Themen verschrieben hat. In Österreich gehöre nach wie vor “viel mehr Aufklärungsarbeit gemacht”. Diesbezüglich sei “Österreich da noch in Kinderschuhen“, sagt Kurtulmus. Es sei wichtigt mit der Aufklärung schon in der Schule zu anzufangen.

Pornografische Fotos für das türkische Heer

Yavuz Kurtulmus wird auch gerne Jimmy genannt. Das liegt schlichtweg daran, dass es für viele einfacher zu merken ist. Der in Mazedonien geborene Türke kam mit seiner Familie vor 25 Jahren nach Österreich. Die österreichische Staatsbürgerschaft hat Kurtulmus aber nicht. Das bedeutet für ihn, dass er eines Tages den türkischen Wehrdienst ableisten muss. Das macht dem Vereinsgründer schwer zu schaffen. Denn Gewalt lehnt Kurtulmus grundsätzlich ab. Doch der türkischen Armee entkommt nur, wer krank oder behindert ist. Auch Homosexualität ist in der Türkei ein Grund um als “untauglich” eingestuft zu werden, doch die Beweise, die vorgelegt werden müssen, gleichen einer Schikane. Die Homosexualität zu beweisen ist ein erniedrigender Prozess für die betroffenen Männer. Die Bekennung zur Sexualität reicht noch lange nicht aus. Es muss ein Beweisfoto mitgeführt werden, das zwei Männer dabei zeigt, wie der „Untaugliche“ während des analen Geschlechtsaktes mit einem anderen Mann den passiven Part einnimmt. Das Gesicht muss zudem erkennbar sein. Dem will sich Kurtulmus nicht aussetzen müssen.

Österreich ein verschlafenes Land

Dergleichen spielt sich in Österreich nicht ab, aber Verbesserungsbedarf ortet der Vereinsobmann allerdings genügend. So möchte er dieses Jahr etwa alle Lokale und Vereine, die aus rassistischen und homophoben Gründen Menschen ausgeschlossen und zurückgewiesen haben, öffentlich machen. Die Ablehnung richtet sich nicht nur gegen Männer. Auch Frauen leiden stark unter diesen Diskrimierungen, sagt Kurtulmus. Er hat auch schon die Erfahrung gemacht, dass Lokale nicht zulassen, dass er Flyer oder das MiGaY-Magazin, das zwei Mal jährlich erscheint, auflegt.

„Egal, welche rechtlichen Maßnahmen in der Politik getroffen werden, die Gesellschaft muss sich ändern.” Der junge Mann hat ein großes Herz. Er begleitet Bedürftige bei Behördenwegen und berät Schüler bei der Aids-Hilfe Wien oder nimmt auch mal bedürftige Menschen bei sich zu Hause auf. „Ich kann da schwer wegsehen“, erzählt der 32 Jährige.

„Wir müssen in den Köpfen der Menschen etwas ändern, sonst ändert sich garnichts“, meint Kurtulmus, der Österreich in der Hinsicht als ein “verschlafenes Land” sieht. Neben der Ehe und dem Recht zu Adoptieren bleibt homosexuellen Menschen nach wie vor auch das Blutspenden verwehrt.

Ilona Antal

Porträt: Ein Türke im Einsatz für Homosexuelle | M-MEDIA

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